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Reiseberichte 1924/1930

Reisebericht nach Amerika 1924

Vom 27.11 - 11.12.1924 dauerte die Überfahrt von Hamburg nach New York mit dem Dampfer "Westphalia"(Hapag Lloyd). Infolge schwerer Stürme war die Überfahrt besonders lange. Da es sich um Auswanderer handelte, wurden alle vom Personal der Hamburg - Amerika - Linie zur Kontrolle der Papiere und einer ärztlichen Untersuchung ins Überseeheim abgeholt. Am Morgen des 26. 11. erfolgte eine zweite ärztliche Untersuchung von einem amerikanischen Arzt. Nach der Rede eines Pastors und genauer Visum-Kontrolle betraten wir am 27. 11. 14 Uhr unseren Dampfer, 14.45 Uhr setzte sich der Kasten in Bewegung. So fuhren wir fast ganz ruhig ab, nur spielten von den Passagieren ein paar Mundharmonika und wir haben ein wenig gesungen.

 

 

 

Rechts im Bild"Otto Mißbach 19 Jahre alt"

Am 11.12. kamen wir in New York an. 4Uhr waren wir schon nahe dran und hatten die Wolkenkratzer vor uns. ¼ 5Uhr ist unser Dampfer draußen stehen geblieben, da kamen amerikanische Ärzte drauf, von denen wir oberflächlich untersucht wurden.

 

  • Am 12.12. früh mussten wir unseren Dampfer "Westphalia" verlassen. Von 7-9 Uhr war Gepäckuntersuchung. 9 Uhr sind wir auf einem kleinen Dampfer von ¾ 11- ¾ 12 nach der Insel Ellis Island gefahren. Da wurden wir zum letzten Mal ärztlich untersucht. Auf dem D. Westphalia waren 137 Personen in Kajüten und 144 in der 3.Klasse, wo auch der Zeitzeuge untergebracht war, befördert .

     

     

    Jetzt ging es mit dem Zug zum Bestimmungsort, nach Sebewaing Michigan, über Buffalo, Detroit und Saginaw.

    Der Chronist arbeitete zuerst in der Landwirtschaft laut Vertrag, wodurch auch die Überfahrt bezahlt wurde. Später lebte er in Detroit und arbeitete in verschiedenen Bereichen. Insgesamt 7 Jahre Amerika, 4mal mit den Schiffen "D. Westphalia" "D. Cleveland" "D. New York" "MS. Milwaukee", über den Ozean.

     

    ERGÄNZUNG ZUM VORAN GEGANGENEN BERICHT!
    Trotz der schweren Stürme ist den Passagieren der Westphalia nichts schlechtes wiederfahren. Der italienischen Concordia (Frachtdampfer) ist ein Mast gebrochen und sie haben den Kapitän verloren. Die Westphalia hatte Hilfe angeboten wurde aber nicht angenommen.

    Diese Bordkarte (links) ist von der zweiten Reise 1929 nach Amerika vom Abschiedsessen. Bei der ersten Überfahrt gab es sicher kein Abschiedsessen für die wenig bemittelten Auswanderer.
    Der Chronist war nach 5 Jahren in der deutschen Heimat. Die Heimat war ihm sehr wichtig, er wollte nie für immer auswandern. Danach blieb er noch 2 Jahre.

    Fahrschein von Hamburg bis Sebewaing Michigan. (unten)

     

     

Ferienreise nach den Niagara Wasserfällen
USA und Kanada

von Otto Missbach vom 28.07-01.08.1930

Von Detroit mit dem Dampfer "Grerter Buffalo" über Lake Erie Montag den 28.7 nachmittags 5 Uhr. Es war sehr schönes Wetter, aber in den Abendstunden erhob sich ein heftiger Sturm, dass man sich auf dem Deck nicht mehr aufhalten konnte. Der Sturm dauerte 4-5 Stunden und verursachte nicht weit von uns den Untergang einer englischen (kanadischen) Barke mit einigen Besatzungsleuten. 16 ertrunken, 5 gerettet von unserem Dampfer. Den nächsten Tag Dienstag den 29.7. morgens 8 Uhr kamen wir in Buffalo an. Von da fuhr ich mit der elektrischen Bahn nach der Stadt Niagara Falls, wo die Wasserfälle sind und kam da 10 Uhr an.

Schon von weitem hörte ich das Wasser poltern und rauschen.Und als ich ganz nah an die Fälle rankam, riss ich meine Augen auf, da diese Wasserfälle wirklich ein sehr großes Naturwunder ist. Wohl hatte ich schon viel davon gehört, aber so herrlich konnte ich es mir doch nicht vorstellen.
So bin ich den ganzen Tag um die Fälle und auf der Insel, welche die zwei großen Fälle voneinander trennt, rumgewandert. Ich habe mir alles mit großem Interesse angesehen. Die Inseln sind ungefähr 5 km im Umfang. Im zeitigen Nachmittag bin ich mit dem Fahrstuhl runter unter den amerikanischen Fall gefahren, genannt "Cave of the Winds". Ehe wir runter fuhren, mehrere mit Führer, mussten wir unsere ganze Kleidung ablegen und bekamen, so dass unsere Kleidung für da unten nur aus 3 Stücken bestand, ein paar wollene Sackhosen, ein Paar Schuhe wie Bärenlatschen aus Schafsfell und einen wasserdichten Mantel mit Kopfhaube. Diese mussten wir auch gut ins Gesicht ziehen und zuschnüren, da das Wasser kalt ins Gesicht peitschte. Der Mantel war aber nicht sehr lang und schützte nur den Körper, die Beine und Füße wurden von dem eiskalten Wasser abgekühlt.

Zweiter Tag, Mittwoch, den 30. 7. 1930 bin ich mit der elektrischen Bahn um den Niagara Strom (George-Route) gereist. Ab 8.00 Uhr über die Brücke nach Kanada, stromabwärts auf kanadischer Seite, stromaufwärts auf USA-Seite. Niagara-Glenn (kanadische Seite) war mein erster Haltepunkt . Hier hielt ich mich über3 Stunden auf. Es ist da sehr herrlich, da es gebirgig ist und man konnte für ein paar Stunden durch Gebüsche und Felsen auf und ab wandern und konnte unten nahe zum Wasser (Niagara-Strom)

hin. Man steigt aber erst Treppen runter, ehe man im Gebirge ist und wieder Treppen rauf, um aus dem Gebirge zu kommen, wo es sonst für Gebirgswanderungen das Gegenteil ist. Ungefähr zwei Uhr nachmittags fuhr ich von da weiter (aller halben Stunden geht eine Bahn) und hielt mich dann ungefähr eine Stunde auf der Anhöhe auf. Von da aus hat man eine sehr herrliche Aussicht den Niagara Strom abwärts und über den See Ontario. Von der Anhöhe geht die Bahn wieder rüber über eine Brücke nach der amerikanischen Seite zurück nach der Stadt Niagara Falls. Auf der kanadischen Seite geht die Bahn oben und auf der amerikanischen Seite unten nahe dem Wasser. Da sind aber keine Aufhaltestellen, außer auf einer Stelle (Whirlpool-Rapids). Dort hält die Bahn ungefähr 10 Minuten an und es ist da ein sehr herrlicher Anblick. Als ich zurück nach der Stadt N. F. kam, bin ich in das Elektrizitätswerk gegangen, wo das mächtige Wasser sein bestes tut, es war sehr interessant, das anzusehen. Dann habe ich den Tag mit einem kleinen Schläfchen auf der Goat-Insel bei rauschendem Wasser vollendet. Abends, als es finster war, habe ich mir die Beleuchtung der Fälle angesehen, was unbeschreiblich herrlich ist.

Die Fälle werden jeden Abend, Sommer wie Winter, sobald es dunkel wird, bis in die späte Nacht verschiedenfarbig abwechselnd beleuchtet vom kanadischen Ufer aus. Man sieht es am besten von der kanadischen Seite und von der Brücke, welche Kanada mit den Vereinigten Staaten über den Niagara Strom verbindet.

Den dritten Tag bin ich mit dem Bus an den See Ontario gefahren. Als ich da hin kam, bin ich erst zu der Festung Niagara Fort gegangen. Diese Festung ist ein paar hundert Jahre alt und liegt an dem Niagara Strom und dem See Ontario. Von da bin ich ungefähr 15 m zu dem Badestrand gegangen, wo ich mich ein paar Stunden ausgeruht und gebadet habe.

 

Am späten Nachmittag bin ich wieder nach der Stadt N.F. und zu den Wasserfällen gefahren und bin mit dem Fahrstuhl runter zum Fuß des Wasserfalls gefahren, von da hat man auch einen sehr herrlichen Anblick. Dann bin ich wieder rauf und noch ein wenig um die Fälle rum gelaufen und so den dritten Tag vollendet.

Die schönen Ferientage bei den herrlichen Niagara Fällen sind vorbei. Den nächsten Morgen, Freitag, den 1.8.1930 bin ich wieder zurück nach Detroit mit dem Bus über Kanada. Ab Stadt N.F. vormittags 9.00 Uhr, über Garden City, Jordon (um dieses Städtchen herum ist eine herrliche Gebirgsgegend). Dann über City Hamilton, dies ist ein große Stadt und von da aus wurde der Bus bis auf den letzten Sitz besetzt. Und dann über London und über mehrere kleine Orte und dann über Windsor und über die neue Brücke über den Detroit-Fluß nach Detroit, Ankunft abends 8.00 Uhr.

 

O. M.

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